Gold! Aber woher nehmen?
Erstellt von bf am Montag 27. Oktober 2008
Gold sollte in der aktuellen Lage eigentlich wesentlich teurer sein. Grund: überall enorme Risiken, überall nachgebende Währungen, allerorten (immer noch) hohe Inflation. Und trotzdem scheint es immer noch billig zu sein. Doch woher nehmen? Warum ist praktisch kein Gold physisch lieferbar?
Börsen-Gold ist kein Gold
In Wirklichkeit wird an den Terminbörsen kein Gold gehandelt, sondern Gold-Futures. Und genau betrachtet sind Gold-Futures gar kein Gold, sondern Schulden.
Nein, das meine ich ernst. Börsengold ist ein Papier, das besagt, das eine Partei einer anderen irgendwann in der Zukunft Gold liefern wird. Dafür bezahlen wir heute einen Geldbetrag.
Nur ist das Problem: Wer sind diese Gegenparteien? Nun, das sind zum größten Teil, nunja, Großbanken. Und wie die allgemeine Bewertung der Zahlungsfähigkeit von Großbanken ist, darüber müssen wir eigentlich kein Geld verlieren. Die Interbankensätze sagen im Großen und Ganzen, daß die Banken sich gegenseitig für prinzipiell insolvent halten.
Selbst die Banken haben kein Gold
Das Problem ist, daß von all den Future-Contracts nur etwa 10% tatsächlich gedeckt sind, oder mit anderen Worten: es wird 10x mehr Gold in Futures gehandelt, als die Gegenparteien überhaupt besitzen. Wird also für mehr als 10% tatsächlich auf physischer Lieferung bestanden, dann ist das Ergebnis einfach der Bankrott eines Großteils der Handelsparteien.
Und genau das wird derzeit beim Börsengold eingepreist: Der “reale” Wert einer Unze Gold multipliziert mit dem Bankrottrisiko der Gegenpartei.
Der Wert von physischem Gold
Was eine Unze physisches Gold tatsächlich gerade Wert ist, das ist ziemlich schwierig heraus zu finden. Das liegt zum großen Teil daran, daß kaum jemand in Deutschland überhaupt gerade Gold liefern kann (kleine Mengen gehen teilweise noch).
ProAurum nimmt derzeit keine Bestellungen entgegen. Die Commerzbank nimmt Bestellungen an, die Lieferung wird Anfang 2009 (!) erwartet. Die US Mint hat “Schwierigkeiten mit dem Ansturm auf Gold” und verlautbart lange Lieferzeiten. Man behauptet, man habe noch nie so eine große Nachfrage erlebt. Das (gar nicht so) lustige ist, daß man nur auf ihrer eigenen Seite nachsehen muss (bei der Verkaufsstatistik), um herauszufinden, daß z.B. vor 2000 in jedem einzelnen Jahr die Nachfrage genauso hoch oder höher war als heute.
Siehe auch: Gold Price getting fishier and fishier
Lieferbares Gold (10 Werktage) hat laut eigener Angabe noch silberundgoldshop.de, z.B. den Krügerrand für 730 EUR.
Aktuelle EBay-Preise (in denen auch ein Risikoabschlag vorhanden ist), taxieren die Feinunze auf etwa 650 EUR. International ist der eBay-Preis bei etwa 50% über dem COMEX Gold Spot Preis angesiedelt. *sigh*
Goldpreis: die Aussage über die Banken
Gehen wir also mal von 700 EUR/Unze aus. Dann entspricht das derzeit etwa 870$/Unze. Vom Gesamtmarkt sind etwa 10% der Bestände tatsächlich durch physisches Gold gedeckt, also 87$/Unze.
Eine Unze Börsengold kostet Stand heute 738$/Unze, also sind 651$/Unze. Das bedeutet also, daß 1-(651/(870-87)) = 16,5% Wahrscheinlichkeit für den Bankrott jedes einzelnen Handelspartners eingepreist sind – und das für eine Lieferung innerhalb der nächsten 1-2 Monate, und das gerechnet mit dem deutschen Durchschnittspreis, nicht mit dem internationalen eBay-Preis, der bei etwa 1000$/Unze liegt. Damit kommen wir auf 1-((638/900)) = 29%. Und haben noch nicht den Anteil des staatlichen Handels berücksichtigt.
Große Preisspanne – Große Gefahr
Durch die große Preisspanne zwischen Börsengold und physischem Gold besteht derzeit die Angst, dass das viele Käufer dazu bringen könnte, beim Fälligwerden der aktuellen Kontrakte im Dezember, eine phyische Lieferung zu verlangen (statt wie bisher die Kontrakte zu erneuern). Sollte das eintreten, dann sind die Folgen zweierlei: Zum einen größte Liquiditätsprobleme bis hin zum Bankrott, wenn nicht wieder der Staat eingreift, und zum zweiten einen sprunghaften Anstieg der physischen Goldpreise.
Und noch ein Further Reading hierzu: Why Gold Is Dropping When It Should Be Rising







