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Vorsicht vor USA-Investments

Erstellt von bf am Dienstag 30. September 2008

Investments in die USA sollten derzeit gut überlegt werden. Dabei geht es nicht mal um die Aussichten von ausgesuchten Unternehmen, sondern um mögliche Maßnahmen zur Kapitalkontrolle, um die die USA wohl ergreifen müssen. Also Vorsicht vor kurzfristigen Investitionen!

Rezession mit Schwerpunkt USA

Zunächst zu den Fakten, die heute schon am klarsten zu sehen sind. Und das ist zunächst die Rezession in den USA. Im Q4/07 ist die Wirtschaft dort ja bereits amtlich bestätigt geschrumpft. Und auch ansonsten ist eigentlich klar, daß nichts daran vorbei führt. Auszug:

Für die amerikanische Wirtschaft führt kein Weg am Schuldenabbau vorbei. Die derzeitigen Verschuldungsquoten sind der Grund der Probleme, und sie werden in den nächsten Jahren abgebaut werden. Dabei gibt es zwei Wege, wie das passieren kann:

Zwei Wege aus der Schuldenfalle

Der erste Weg führt über die Insolvenzen der verschuldeten Unternehmen und Privatpersonen, bei der die nicht mehr zurück gezahlten Schulden dann zu Verlusten der Kreditgeber werden. Wir durften in der Zwischenzeit gelegentlich Zeuge davon werden, wie das von statten geht, denn das ist der Fall Lehman.

Nachteil dieser Lösung: Dies hat gravierende Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft. Die anhaltenden Pleiten und Verluste verhindern Investitionen, die auch nicht mehr “auf Pump” getätigt werden können. Die Folge ist eine tiefe Rezession oder sogar Depression. Daher wird die US-Regierung dieses Szenario wohl verhindern.

Die andere Möglichkeit führt über eine Entwertung der Schulden-Währung, in diesem Fall also des Dollars. Dieser Vorgang wird in der Regel zentral gesteuert. Um das zu erreichen, müssen die Schulden zunächst an das Organ, daß die Geldmenge verwaltet, in unserem Fall die US Fed. Dort kann dann im nächsten Schritt die Geldmenge so weit erhöht werden, daß eine Rückzahlung der Beträge möglich wird. Da mit einer Ausweitung der Geldmenge auch der innere Wert der Währung sinkt, kommt es zunächst zu einem Abbau des Schuldenwertes.

Es ist auch möglich, einen “Umweg” zu wählen, bei dem die Schulden im ersten Zug verstaatlicht werden. Die Regierung legt diese Schulden dann um in Staatsanleihen, die dann von der US Fed über Offenmarksoperationen mit neuem Geld aufgekauft werden können.

Die Gefahr: Kapitalflucht

Zum Abbau der übernommenen Schulden sollen also zwei Effekte zusammen kommen: Die neue Geldmenge soll direkt zur Schuldentilgung genutzt werden, gleichzeitig nimmt der Wert der Schulden durch die Geldentwertung ab. Vermögenswerte sollen aber erhalten bleiben, hier soll nur die Geldentwertung wirken, und auch diese so wenig wie möglich. Gleichzeitig möchte man Investitionen im Land halten, um die Wirtschaft zu stabilisieren.

Problem: Investoren erleiden durch die Geldentwertung Verluste, die sich vermeiden ließen, wenn man das Kapital in anderen Währungen anlegt. Sobald die Ausweitung der Geldmenge beginnt, werden nicht nur weitere Investitionen ausbleiben, sondern auch investiertes Kapital abgezogen.

Dieser Effekt hat zum einen verheerende Wirkung auf die Wirtschaft der USA. Ohne Investitionen gibt es nur noch die Möglichkeit, mit Fremdkapital zu wachsen. Und genau dieses Fremdkapital wird deutlich verteuert:

Our work also suggests that large foreign purchases of U.S. government bonds have contributed importantly to the low levels of U.S. interest rates observed over the past few years. In the hypothetical case of zero foreign accumulation of U.S. government bonds over the course of an entire year, long rates would be almost 100 basis points higher.
INTERNATIONAL CAPITAL FLOWS AND U.S. INTEREST RATES, Francis E. Warnock, Veronica Cacdac Warnock, NATIONAL BUREAU OF ECONOMIC RESEARCH, October 2006

Wenn es nur keine weiteren Käufe Anleihen gibt, dann wird das Zinsniveau für die USA (zur Refinanzierung) um 1% steigen. Für Unternehmen natürlich entsprechend mehr. Und das erfasst noch nicht einmal das Szenario, daß Kapital abgezogen wird.

Der logische Ausweg: Kapitalkontrolle

Es gibt eigentlich nur eine mögliche Lösung für die USA, um dieses Szenario zu verhindern: Die Kapitalströme (aus dem Land heraus) müssen kontrolliert werden.

Recht effektiv sind hier Steuern auf internationale Kapitaltransaktionen, beispielsweise eine Variante der Tobin-Steuer, bei der eben ein kleiner Anteil als Steuer erhoben wird, um kurzfristige Währungsgeschäfte zu verteuern, bei denen die Gewinnmargen gewöhnlich nur minimal sind.

Natürlich sind auch andere Maßnahmen über Steuern und Abgaben denkbar, wichtig ist nur zu wissen, daß eine solche Maßnahme kommen wird und effizient umsetzbar ist.

Eine Anregung, wie ein solches Szenario abläuft und wie entsprechende Maßnahmen umgesetzt werden, können wir am Beispiel Malaysia während der Asien-Kriese ablesen.

Auswirkungen: Smart Money verläßt die USA (trotzdem)

Es wird dennoch genügend Personen und Organisationen geben, die diese Entwicklung rechtzeitig antizipieren und darauf frühzeitig reagieren können. Diese Leute wollen ihre derzeitigen Vermögenswerte erhalten und schließen rechtzeitig, daß sie rechtzeitig das Kapital in anderen Währungen und international angelegt haben müssen.

Wir müssen daher schon in der Vorbereitungsphase der Ausweitung der Dollar-Geldmenge damit rechnen, daß es zu größeren Kapitalströmen aus den USA heraus kommt. Die entsprechende Gesetzgebung ist nur dann umsetzbar, wenn sie plötzlich geschieht, ohne daß eine große Menge an Anlegern vorher noch reagieren kann.

Europa: Was heißt das für uns?

Für Anleger außerhalb der USA heißt das zunächst: Wir müssen damit rechnen, daß wir in Zukunft für einige Zeit nur gegen einen Aufpreis an unser Kapital in den USA gelangen können. In dieser Zeit werden wir außerdem eine Abwertung des Dollars sehen, und eine Rezession in den USA. Für langfristig gut angelegtes Kapital in den USA sollte das nur heißen, daß eine Zeit geringer Renditen und schlechter Verfügbarkeit anbricht. Kurz- und mittelfristig benötigtes Kapital sollte man aber wohl lieber anders investieren.

Jetzt die andere Frage: Wo wird das Kapital hin wandern, daß die USA verläßt?

Amerikanisches Geld soll ja außerhalb der USA vor allem sicher sein, und wird wohl hauptsächlich auch auf Sicherheit angelegt. Renten in inflationsarmen Währungen werden hier wohl Hauptprofiteur sein.

Für Unternehmens-Investments gilt ja, daß es wohl weltweit zu einer Rezession kommen wird – Abkopplung wird es nur insoweit geben, als das die Intensität unterschiedlich ausfallen wird. Daher werden wenig zyklische und azylische Wirtschaftszweige in Europa und den Emerging Markets profitieren. Insbesondere Unternehmen mit großem Exportanteil in die USA sollten wir eher meiden.

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