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“Stopp Loss”-Wahnsinn in Zahlen

Erstellt von bf am Freitag 18. Juli 2008

In einem Kommentar zu Der “Stopp-Loss”-Wahnsinn wurde nahegelegt, das gerade in crashanfälligen Zeiten eine Stopp-Loss-Strategie sinnvoll wäre. Zwar war ich skeptisch, habe es aber für möglich gehalten. Als logische Konsequenz habe ich einfach nachgerechnet.

Das Umfeld

Als Betrachtungszeitraum habe ich die Jahre 1990 bis 2007 gewählt. In dieser Zeit sind ja so einige Hochs und Tiefs und einige Krisen an uns vorbei gezogen. Als kleiner Auszug:

Einiges davon dürfte Ihnen noch gut in Erinnerung geblieben sein.

Ich denke, dieser Zeitraum sollte hinreichend aussagekräftig sein. Für diesen Zeitraum habe ich alle 5-Jahres-Zyklen betrachtet, also Beginn 2000 bis Ende 2004 (I), Beginn 2001 bis Ende 2005 (II), usw.

Betrachtete Größen

Als Indikator, wie “crashanfällig” eine Periode war, habe ich auf den CBOE Volatility Index zurück gegriffen. Dieser auch “Fear Gauge” genante Index misst die implizite Volatilität des S&P500-Index. Für jede Periode habe ich den jeweiligen Durchschnittswert betrachtet.

Als Kursquellen dienten die Aktien des Dow Jones Industrial Average. Die Kurse habe ich auf täglicher Basis betrachtet.

Die Strategie “Buy-And-Hold” ist sehr einfach: Am Anfang der Periode wird eine Kauf-Transaktion durchgeführt, am Ende eine Verkauf-Transaktion, daraus wird die Rendite berechnet (5-Jahres-Rendite).

Die Strategie “Stopp Loss” ist etwas komplizierter: Am Anfang der Periode wird gekauft, am Ende ggf. verkauft. Dazwischen wird ein Trailing Stopp Loss gefahren, daß heißt: Für jeden Tag wird geschaut, ob der derzeitige Kurs 10% unter dem Maximum seit dem letzten Kauf liegt. Ist das der Fall, wird verkauft. Für den Kauf gilt das umgekehrt. Es hatte wenig Auswirkungen, ob 10% oder 20% angenommen wurden, aber auf Wunsch kann ich beliebig Durchläufe für andere Schwellenwerte durchführen.

Es wurden zwei Reihen ermittelt, nämlich mit und ohne Transaktionskosten. Für diese Kosten habe ich die Gebühren eines typischen Discount-Brokers angenommen.

Zwei Größen, die noch deutlichen Einfluß auf das Ergebnis nehmen könnten, habe ich nicht beachtet: Steuern und Dividenden. Beide sollten eher das Ergebnis des Stopp-Loss-Strategie beeinträchtigen: Bei Dividenden besteht die Gefahr, zum Auszahlungszeitpunkt gerade nicht investiert zu sein. Steuern fallen bei der Buy&Hold-Strategie nur einmalig an, bei Stopp-Loss dagegen unter Umständen öfter.

Die Ergebnisse

Um es gleich vorweg zu nehmen: Bei 28 Vergleichen (14 Perioden je mit und ohne Transaktionskosten) war die Stopp-Loss-Strategie genau einmal besser als die Buy&Hold-Strategie, nämlich 2001-2005 ohne Transaktionskosten um 0,07%.

In allen anderen Perioden war Buy&Hold die bessere Wahl, und zwar mit einer Rendite, die zwischen 0,06% und 4,12% höher lag.

Ich habe die Volatilität (“Crash-Anfälligkeit”) und die Rendite der beiden Strategien hier als Grafik dargestellt:

Ohne Transaktionskosten

Mit Transaktionskosten
Die Abhängigkeit verhält sich so: Je höher die Volatilität ist, desto niedriger ist im Schnitt die Rendite, egal mit welcher Strategie. Buy&Hold ist so gut wie immer die bessere Strategie, und je niedriger die Volatilität, desto größer wird der Abstand.

Die detailierten Daten auch noch als Excel-Dokument.

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2 Kommentare zu ““Stopp Loss”-Wahnsinn in Zahlen”

  1. Marcel sagt:

    Grosses Lob, tolle Seite.
    Mir ist die Strategie zum Kauf bei Stop Loss nicht ganz klar:”Für jeden Tag wird geschaut, ob der derzeitige Kurs 10% unter dem Maximum seit dem letzten Kauf liegt. Ist das der Fall, wird verkauft. Für den Kauf gilt das umgekehrt.”
    –>Es wird jeden Tag geschaut, ob der derzeitige Kurs 10 % ueber dem Minimalwert seit dem letzten Kauf liegt ?

  2. bf sagt:

    Ja, fast: Für jeden Tag wurde geschaut, ob der Kurs 10% über dem Minimum seit dem letzten Verkauf liegt, und in dem Fall zugeschlagen.