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Der “Stop Loss” – Wahnsinn

Erstellt von bf am Mittwoch 2. Juli 2008

“Aktieninvestment – gute Idee, aber vergessen Sie nicht, sich mit einer Stop Loss Order…” – ich kann es nicht mehr hören. Wer ist nur auf diese Stop Loss – Idee gekommen? Der Orderzusatz mal realistisch beleuchtet.

Orderzusätze – eigentlich eine gute Sache

Schon lange etabliert ist die Limit-Order, und das auch aus guten Grund:

Das Limit beim Kauf gibt ja an, wieviel ich maximal bereit bin zu bezahlen. Sehr sinnvoll, denn ich möchte ja eine Aktie günstig einkaufen. Nachdem z.B. die Henkel-Aktie in einem Bereich gehandelt wurde, der sehr interessant ist, konnte ich so im April eine Limit-Order mit 23,39 EUR platzieren (und einer Laufzeit bis Ende des Jahres). Dann mußte ich mich um nichts mehr kümmern, konnte verreisen, und als ich zurück kam, war die Aktie zu einem guten Preis im Depot gelandet.

Genauso sinnvoll: die Limit-Order beim Verkauf. Ich kann mir überlegen, bei welchem Kurs ich bereit wäre, mich von der Aktie zu trennen. Damit die Limit-Order platziert, und der freundliche Broker schaut wachsam darauf, daß ich meinen Gewinn bekomme, den ich gerne hätte (oder das ich halt die Aktie behalte).

Aber die “Stop Loss”-Order? Ich sage damit: wenn immer sich genügend Leute finden, die meine Aktien sehr günstig erwerben wollen, dann gib sie ihnen. Doch wirklich, genau das sagt die “Stop Loss”-Order. Ich sage damit also: in einem fallenden Markt möchte ich mindestens diesen Verlust machen. Niemand sagt, daß ich genau das bekommen werde, es könnte auch weniger sein, aber mehr bekommen, sagt “Stop Loss”, möchte ich nicht.

Wer entscheidet eigentlich über den Verkauf?

Mit “Stop Loss” lasse ich also andere Leute darüber entscheiden, ob ich Verlust mache. Das ist schon eine erstaunliche Sache. Eigentlich fängt das Dilemma schon vorher an: beim Kauf.

Welche Wertpapiere kaufe ich eigentlich? “Solche die steigen. Wenn Sie nicht steigen, dann kaufe sie nicht”, würde ein Spötter jetzt sagen. Was ich kaufe, läßt sich einfach zusammenfassen: Billige Aktien von Unternehmen, die aus ihren Geschäftszahlen heraus gesehen gesund sind und weiter bestehen werden. Um solche Aktien zu finden der ganze Aufwand der Unternehmens-Analyse.

Unternehenswert != Marktwert

Der Wert eines Unternehmens läßt sich vielleicht nicht exakt berechnen, aber ungefähre Schätzwerte, die können wir schon bestimmen. Und genau an diesen Werten orientiert sollte sich der Kauf orientieren.

Das bedeutet: Wenn ich mich für solch ein gutes Unternehmen entschieden habe, dann verkaufe ich doch nicht bloß deswegen, weil einige Leute sich entschieden haben, für weniger zu verkaufen.

Zum Gewinnen müssen wir im Spiel sein

Das nächste Problem mit “Stop Loss” wartet ja direkt wieder. Plötzlich haben Sie (mit Verlust) verkauft, aber wann jetzt wieder einsteigen? Es gerät immer wieder in Vergessenheit: Zum Gewinnen muß man erst mal mitspielen.

Eine Studie von American Century Investments zeigt: angenommen, sie waren zwischen 1990 bis 2005 ununterbrochen in amerikanischen Aktien investiert (sie wissen schon, die Periode mit der rauen See und dem Crash), dann haben sind 10.000$ auf 51.354$ anwachsen sehen. Wenn Sie aber nur die besten 10 Tage dieser 15 Jahre verpaßt haben, sind nur 31.994$ dabei herausgekommen. Haben sie die besten 30 Tage verpaßt, dann sind es nur noch 15.730$. Waren es sogar 50 Tage, dann hatten Sie Verlust und nur noch 9.030$ übrig.

Ich selber glaube nicht, daß ich in der Lage bin, bei vielem Kauf/Verkauf/Kauf/Verkaus/Kauf zufällig genau die schlechten Tage zu verpassen und die guten Tage investiert zu sein. Also bleibt nur eins: Aussitzen. Genau das Gegenteil von “Stop Loss”. Denn Stop Loss treibt Sie in den Verlust.

Update:

Details in Zahlen liefere ich jetzt unter Stop-Loss-Wahnsinn in Zahlen nach.

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Ein Kommentar zu “Der “Stop Loss” – Wahnsinn”

  1. Lars sagt:

    Danke für deinen Kommentar, grundsätzlich fände ich es toll wenn Du beim nächsten mal einen kompletten Artikel oder wenigstens einen Absatz hinterlässt. Natürlich hast Du teilweise recht mit dem was du schreibst, manchmal ist auch Aussitzen die bessere Alternative. In crashanfälligen Zeiten dürfte jedoch der Stopp Loss eine gute Entscheidung sein um dann bei den gleichen Aktien etwas später wieder billiger einzusteigen.