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Gebühren kosten Fonds die Führung

Erstellt von bf am Donnerstag 5. Juni 2008

Die Abgeltungssteuer kommt, und das Geld sprudelt nur so in die Kassen der Fonds. Die haben ja eine Befreiung herausgehandelt, wenn intern umgeschichtet wird. So schön das auch klingt – nach den Gebühren bleibt leider nichts mehr übrig.

Es hätte so schön sein können: Jetzt die eigenen Anlagen in einen Dachfonds umsatteln, und dann nur noch zurücklehnen, die nächsten 20 Jahre lang. Die Asset-Allokation macht dann der Fondsanbieter – und zwar ohne die leidige Abgeltungssteuer. Und da wir jetzt schon gekauft haben, sind alle Gewinne steuerfrei.

Szenario

Wir nehmen einmal den typischen Plan “fürs Alter sparen” an. Hier: Sie stecken mitten im Arbeitsleben. Sie wollen Ihre jetzige Geldanlage, sagen wir 100.000 EUR, investieren. Dort darf sich das Geld die nächsten 30 Jahre lang unbehelligt vermehren. Anschließend wollen Sie es über 20 Jahre hinweg gleichmäßig verbrauchen. Für den Wertzuwachs schätzen wir mal etwa 8% pro Jahr (also etwas mehr, als wir erwarten sollten).

So, wie sieht da ein Dachfonds aus, den Sie heute kaufen?

Der Dachfonds

Nehmen wir einen typischen Dachfonds mit folgenden Kennzahlen an:

Ausgabeaufschlag: 2,5% (auf diesen kommt es relativ wenig an)
Jährliche Gebühren: durchschnittlich 1,4%

Bis zur entnahme fallen hier überhaupt keine Steuern an, das haben die Anbieter ja ausgehandelt. Sehr wohl fallen aber die Gebühren an. Und so entwickelt sich Ihr Vermögen damit:

Nach 5 Jahren: 133.508 EUR
Nach 10 Jahren: 182.814 EUR
Nach 20 Jahren: 342.782 EUR
Nach 30 Jahren: 642.724 EUR

In dieser Zeit haben Sie etwa 129.562 EUR Gebühren bezahlt.

Bei der Auszahlung fallen ebenfalls keine Steuern an, und die Gebühren laufen weiter.

Sie können dann jährlich etwa 52.633 EUR entnehmen.

Die traditionelle Anlage

Traditionell heißt, Sie halten immer die Hälfte Ihres Geldes in sicheren Anleihen (direkt) und die andere Hälfte in Blue Chip Aktien (z.B. über billige(!) Indexfonds). Jedes Jahr gleichen schichten Sie selber Vermögen um, so daß dieses 1:1-Verhältnis wieder hergestellt ist.

Wenn Sie gut wählen, bezahlen Sie für den Index-Fonds etwa 0,2% Gebühren, für die Anleihen können Sie ähnlich rechnen. Und jetzt kommt die größere Rechnerei:

Für Altbestände (ebenjene 100.000 EUR) zahlen Sie:
Für die Erträge der Anleihen Ihren persönlichen Steuersatz. Für die Hälfte des Dividendenteils Ihrer Aktien Ihren persönlichen Steuersatz. Für die Kursgewinne der Entnahme zum Ausgleich des Verhältnisses zahlen Sie nichts.

Für neue Bestände, die durch den 1:1-Ausgleich entstehen zahlen Sie: Für alle Erträge die Abgeltungssteuer, also je nachdem etwa 28%.

Außerdem dürfen Sie auf die Steuern einen Freibetrag von 750 EUR p.a. anrechnen, und zwar jedes Jahr (für Verheiratete das doppelte, aber das betrachten wir hier erstmal gar nicht).

Die Rechnung ist – wie Sie sehen – kompliziert, und Ihr Vermögen entwickelt sich so:

Nach 5 Jahren: 135.234 EUR
Nach 10 Jahren: 209.220 EUR
Nach 20 Jahren: 421.675 EUR
Nach 30 Jahren: 834.943 EUR

In dieser Zeit haben Sie etwa 82.316 EUR an Steuern bezahlt.

Die Auszahlung läuft ebenfalls 20 Jahre. Zunächst verbrauchen Sie die “Neubestände”, dann die “Altbestände”.

Wollen Sie in diesen 20 Jahren auf 0 kommen, dann können Sie mit der “herkömmlichen” Anlage jährlich etwa 69.530 EUR entnehmen. Dabei ist berücksichtigt, daß Sie weiterhin den Spitzensteuersatz bezahlen müssen.

Aber ich denke, für zusätzliche 16.900 EUR p.a. machen Sie das bestimmt gerne.

Vergleich

Die Frage, wann sich welche Anlage lohnt, hängt zum größten Teil davon ab, welchen Wertzuwachs Sie pro Jahr etwa erwarten.

Bei den von mir angenommenen 8% haben wir gesehen, daß Sie mit einer herkömmlichen Anlage deutlich mehr erwirtschaften.

Der Break-Even, ab dem Sie mit einem Dachfonds besser fahren, liegt bei etwa 12-13% p.a.; ich persönlich glaube nicht, daß wir diese Rendite langfristig erwarten können.

Und nächstes Jahr?

Wenn Sie Ihre 100.000 EUR erst nächstes Jahr “herkömmlich” anlegen, dann zahlen Sie auf alles immer die Abgeltungssteuer.

Ihr Vermögen entwickelt sich dann so:

Nach 5 Jahren: 143.667 EUR
Nach 10 Jahren: 204.525 EUR
Nach 20 Jahren: 309.950 EUR
Nach 30 Jahren: 801.863 EUR

Sie haben dann etwa 89.935 EUR an Steuern bezahlt.

Bei der Auszahlung auf 20 Jahre können Sie pro Jahr etwa 55.000 EUR entnehmen. Das ist zwar deutlich weniger als bei einer Anlage heute, aber immer noch mehr, als wenn Sie heute in einen Dachfonds umschichten.

Wie es aussieht, wenn Sie nächstes Jahr in einen Dachfonds investieren, habe ich leider nicht ausgerechnet, allerdings lohnt es sich auch nicht, weil dann zu den Gebühren bei der Auszahlung auch noch Steuern dazu kommen.

Disclaimer

Ich denke, die Rechnung ist richtig. Bitte korrigieren Sie mich, wenn irgendwo ein Fehler ist.

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Ein Kommentar zu “Gebühren kosten Fonds die Führung”

  1. online-kredite.com sagt:

    Fehler find ich jetzt keine in der o.g. Rechnung, allerdings würde ich mir erlauben, darauf hinzuweisen, dass sowohl der BVI als auch die Bundestagsfraktion von CDU und CSU derzeit für eine Änderung der Regularien zur Abgeltungssteuer dahingehen plädieren, dass die Sparpläne der Altersvorsorgesparer bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen entweder steuerlich wie Lebensversicherungen behandelt oder ganz von der Abgeltungssteuer ausgenommen werden. Für alle anderen Sparer kann ich dem oben gesagten nur zustimmen: mit guten Aktienfonds lässt sich langfristig trotz neuer Besteuerung mehr Rendite erzielen, als mit Dachfonds.