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Werden Sie Eigentümer!

Erstellt von bf am Montag 2. Juni 2008

Gewinne und immer mehr Gewinne. Und weg mit den Arbeitsplätzen. Wir wettern gegen “die da oben”, das Management, die Aufsichtsräte. Und wir privaten Investoren? Wir stehlen uns aus der Verantwortung!

Da sind sie wieder, die verhärteten Fronten. Da sind die einen, die “Sozialisten”. Für die ist alles klar. Grenzenlose Gier, Turbokapitalismus. Keine Rücksicht, nur Eigennutz.

Und die andere Seite – auch nicht hilfreicher – die Kapitalisten. Ziel eines Unternehmens ist Gewinnmaximierung! Wirtschaft ist so, alles andere ist romantischer Blödsinn.

Wer hat Recht, und vor allem: Was ist zu tun? Darauf gibt es immerhin ein paar klare Antworten:

Dazu müssen wir uns überlegen, wie eigentlich die Hierarchie in einer AG funktioniert. Das ist außerordentlich einfach: Es gibt einen Vorstand, der macht das Geschäft, indem er dem Management darunter Vorgaben macht. Der Vorstand ist im Tagesgeschäfts frei. Aber er bekommt selber auch Vorgaben. Und zwar durchgehend vom Aufsichtsrat und jährlich von der Hauptversammlung – die ja auch den Aufsichtsrat bestellt.

Sie ahnen bereits, worauf ich hinaus will: Die Hauptversammlung, dass sind – grob gesagt – alle Investoren. Diejenigen, denen das Unternehmen gehört, und die am Ende immer das sagen haben. Und das sind nicht immer nur “die Reichen”. Das sind zu einem großen Teil auch wir “kleinen” Investoren. Überspitzt ausgedrückt:

Niemand kann dem Vorstand einen Vorwurf machen, wenn sie so handeln, wie die Besitzer es vorgeben!

Aber was machen wir? Die Trends sind leider eindeutig: Die deutschen Anleger lieben Fonds, Aktien mögen sie dagegen gar nicht. Das ist ein Problem: Sobald wir in Fonds investieren, haben wir mit den Unternehmen nichts mehr am Hut. Kennen Sie die aktuellen Positionen ihres Fonds? Eben! Welche Anforderungen stellen Sie an Fonds, in die Sie investieren wollen? Kann es sein, dass Sie die Fonds kaufen, denen Sie die meiste Wertsteigerung zutrauen? Aber: Nebenkriegsschauplatz.

Zentrale Frage: Wissen Sie, welche Vorgaben Ihre Fonds den Unternehmen machen, in die Ihr Geld investiert wird? Können Sie das beeinflussen?

Eventuell können Sie durch die Auswahl passender Fonds diese Vorgaben ein wenig beeinflussen. Ebenfalls problematisch: Indexfonds. Denen sind die Wünsche an die Unternehmensführung vollkommen egal. Keine Äußerung, immerhin.

Ich will hier eine Lanze brechen für den direkten Aktienbesitz. Damit widerspreche ich jetzt ganz klar Ben Graham! Der hatte sicherlich Recht darin, wie Sie Ihr Geld sicher vermehren. Beim Prägen von Werten in Unternehmen hilft er Ihnen aber nicht weiter.

Werden Sie Miteigentümer eines Unternehmens. Äußern Sie Ihre Wünsche, nach welchen Prinzipien das Unternehmen geführt werden soll. Machen Sie Vorgaben, wie die Personalpolitik aussehen soll! Sagen Sie, das weniger Gewinn in Ordnung geht, wenn dafür auch Bestechung verzichtet wird! Das Management wird auf uns hören, denn wir bezahlen sie dafür.

Vielleicht wäre es mal nötig, einen Verband zu gründen, ähnlich der Schutzvereinigung der Kleinaktionäre, dem wir unsere Stimmrechte übertragen können, und der sich für wirtschaftlich-moralische Unternehmensführung einsetzt. Wir können ja nicht auf jede Hauptversammlung reisen, da könnte so etwas wichtig werden.

Einen schönen Nebeneffekt könnte es noch haben, wenn wir Investoren statt Fonds wieder vermehrt Unternehmen besitzen: Wir bauen wieder eine Bindung zu unserem Unternehmen auf und bleiben dadurch hoffentlich auch wieder länger investiert (die Abgeltungssteuer könnte ein übriges dafür tun). Und ich rede nicht von zwei, drei Jahren, sondern von 20 oder 30. Eier verfaulen, wenn man sie zu lange hält, gute Unternehmen bleiben ein Leben lang frisch!

Sie haben ganz grob zwei Möglichkeiten: Entweder Sie trauen Sich, ein Unternehmen zu besitzen und die Verantwortung mit zu übernehmen, oder Sie klagen nie wieder über den “Turbokapitalismus”.

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