Investmentanalyse: Henkel
Erstellt von bf am Dienstag 18. März 2008
Die Börsen in der Abwärtsspirale? Bombardiert von schlechten Nachrichten? Oder die Chance zum Einsteigen? Für einen Investor, lehrt uns Graham, ist der Zustand der Märkte wirklich unwichtig. Heute habe ich mir das Unternehmen Henkel mal näher angeschaut und geschaut, wie interessant das Investment dort gerade ist.
Analyse Schritt 1 – Das Unternehmen
Was mir vorschwebt, ist ein langfristiges Investment, mindestens fünf Jahre, wenn möglich mehr. Und wenn ich Mitunternehmer werden will, dann muß ich erstmal sehen, was das überhaupt für ein Laden ist.
Henkel ist wirklich international, in 125 Ländern vertreten, 52.000 Mitarbeiter. Waschmittel, Shampoo, Klebstoffe. Das Geschäftsmodell ist wirklich einfach zu verstehen. Kein bischen Magie, kein New-Economy-Flair. Dafür Persil, Schauma, Pattex. Sympatisch.
Über 130 Jahre lang gibt es das Unternehmen jetzt. Innovativ war es auch immer: Erstes Haarwaschmittel, erstes selbsttätiges Waschmittel, erster Fernseh-Werbespot in Deutschland. Kurz gesagt: das Unternehmen arbeitet schon länger profitabel als ich denken kann.
Analyse Schritt 2 – Kennzahlen
Grahams Intelligent Investieren nennt ein paar klare Kriterien für ein Investment in ein Unternehmen. Ich verwende eine moderne Form davon. Das einzig Moderne ist, daß die Beträge an die Inflation angepaßt sind. Das Original ist ja schon etwas älter.
- Gesamte Marktkapitalisierung größer als 2 Mrd. Euro
- Kurs/Umlaufvermögen mindestens 2:1
- Mindestens die letzten 10 Jahre Gewinne
- Ebenfalls mindestens die letzten 10 Jahre durchgehend Dividenden
- Über die letzten 10 Jahre ein Gewinnwachstum von mindestens 50%
- Ein konservatives (siehe unten) KGV von höchstens 15
- Ein Kurs/Buchwert-Verhältnis von höchstens 1,5
- KGV*KBV maximal 22,5
So, jetzt schauen wir mal.
Marktkapitalisierung
Nimmt man den Wert von einschlägigen Websites, dann wird hier der aktuelle Kurs mit der Anzahl der ausstehenden Aktien multipliziert. Ich zähle außerdem langfristige Schulden dazu, denn das ist auch Kapital, das im Unternehmen steckt.
Henkel hat 260 Mio. Stammaktien und 178 Mio. Vorzugsaktien ausstehend. Zum Zeitpunkt meiner Analyse standen diese Aktien bei 25,21 EUR bzw. 27,34 EUR. Für den Aktienanteil also 11,4 Mrd.EUR. Dazu kommen noch 2,3 Mrd. EUR ausstehende langfristige Schuden, die dort noch oben drauf kommen. Also:
Marktkapitalisierung: 13,7 Mrd. EUR (Kriterium erfüllt)
Kurs/Umlaufvermögen
Hier muß ich zwischen Stämmen und Vorzügen unterscheiden. Das Umlaufvermögen findet sich im aktuellen Jahresbericht und beträgt 5,1 Mrd. EUR. Kurs meint immer: Anzahl der ausstehenden Aktien mal Kurs. Damit ergibt sich:
Kurs/Umlauf Vorzugsaktien: 0.95 (Kriterium ebenfalls erfüllt)
Jahre mit Gewinn/Dividenden
Ein interessantes Unternehmen muß vor allem auf lange Sicht stabil und ertragskräftig sein. Die Dividenden, auf die ich mich verlassen kann, wirken außerdem beruhigend auf mich, wenn die Kurse mal wieder fallen.
Ununterbrochene Dividendenzahlungen: mindestens seit 1986 (Kriterium erfüllt)
Gewinn-Wachstum
Als aktuellen Jahresgewinn nehme ich den Durchschnitt der letzten 3 Jahre (also 2005-2007), entsprechend vor 10 Jahren den Durchschnitt der Jahre 1995-1997.
Alle Gewinne kommen 1:1 aus den Jahresberichten. Gewinne 2005/06/07 sind 757, 855 und 921 Mio. EUR (Schnitt 757 Mio EUR). Für 1995/96/97 sind es 284, 320 und 372 Mio EUR (Schnitt: 325 Mio EUR).
Kurs/Gewinn-Verhältnis
Allgemein üblich sind KGV-Angaben, für die der derzeitige Kurs durch den vermuteten Gewinn des aktuellen Geschäftsjahres geteilt wird. Dieser KGV interessiert mich überhaupt nicht, weil diese Schätzungen regelmäßig so sehr daneben liegen, daß ich genauso gut auch raten könnte.
Statt dessen nehme ich die durchschnittlichen Gewinne der letzten drei Jahre (die ich ja ohnehin schon ausgerechnet habe). Das ist auch der von Graham empfohlene Wert.
Die Durchschnittsgewinn verteilt sich auf Stämme und Vorzüge, und fällt für beide typen unterschiedlich aus.
3-Jahres-KGV Vorzüge: 14,2 (Kriterium ebenfalls erfüllt)
Kurs/Buchwert-Verhältnis
Wenn ich Anteile an einem Unternehmen kaufe, dann kaufe ich in Wirklichkeit ja zwei Dinge: zum einen die Aussicht auf zukünftige Gewinne, zum anderen einen Anteil am Inventar des Unternehmens. Dieses Inventar erhalte ich auf jeden Fall, die zukünftigen Gewinne nur möglicherweise. Der Anteil, den ich nur vielleicht erhalte, sollte nicht zu groß werden.
Der Buchwert ist im Jahresbericht aufgeführt, und muß nur noch auf Vorzüge und Stämme verteilt werden.
KBV Vorzüge: 1,59 (Kriterium nicht erfüllt)
KGV*KBV
Eigentlich kann das Kriterium (kleiner 22,5) gar nicht erfüllt werden. Wenn aber einer der Werte ein wenig außerhalb liegt, kann ich mich bei interessanten Unternehmen vielleicht doch noch durchringen, wenn wenigstens insgesamt die Kriterien erfüllt sind.
KBV*KGV Vorzüge: 22,5 (Kriterium ganz knapp erfüllt)
Analyse Schritt 3 – Proxy Statement
Letzter wichtiger Punkt sind Insider-Geschäfte, die selbstverständlich veröffentlicht werden müssen. Diese dürfen keine Auffälligkeiten aufweisen.
Die Informationen sind unter Directors Dealings bei Henkel zu finden, weitere Informationen sind im Jahresbericht enthalten (z.B. in wie weit die Unternehmensführung in die Führung von Konkurrenten oder Kunden eingebunden sind). Auf die schnelle habe ich keine Besonderheiten gefunden.
Zusammenfassung
Zum Zeitpunkt der Analyse erfüllen zumindest die Stammaktien alle Kriterien, die ich von Graham abgeleitet habe. Wie auch immer die Kurse sich in Zukunft entwickeln, kann man doch sagen:
Ich halte das Sicherheitspolster für ausreichend (und damit das Unternehmen für ein angemessenes Investment), wenn ich unter 25,80 für die Stammaktie kaufen kann. Was auch immer die Kurse in Zukunft machen mögen, weiß ich dann doch, daß ich zu einem fairen Preis eingekauft habe.
Update: Aktien erworben
Soeben hatte ich die Freude, einige Stammaktien für 23,39 EUR zu erwerben. Damit habe ich nochmals eine Sicherheitsmarge von über 18% gegenüber dem geschätzten inneren Wert. Ich betrachte es als eine erneute Bestätigung, daß “Krisen” auf den Finanzmärkten vor allem Gelegenheiten für den günstigen Erwerb von soliden Unternehmen darstellen.







