CoreFinance

Die vernünftige Seite über Finanzen, Börse und Rohstoffe

Schiffsfonds – Wie gobal darf’s sein?

Erstellt von bf am Freitag 7. März 2008

Gute Gewinne, der Geschmack der großen, weiten Welt – gewagte Finanzjonglagen, dubiose Machenschaften. Kaum ein anderes Segment ist so sehr von der Globalisierung geprägt wie Schiffsfonds. Doch was steckt dahinter, ist das für den privaten Nicht-Profi überhaupt zu durchschauen?

Kapazitäten und Nachfrage passen

Nachdem ein Bekannter von mir im großen Geschäft quer durch die Welt unterwegs ist, sind wir bei einem seiner Landgänge neulich ins Gespräch gekommen. Er konnte mir von guter Auftragslage berichten. Die Kapazitäten seien wohl stark ausgelastet, die Werfen schweißen, was das Zeug hält, woher die Offiziere für die vielen neuen Ozeanriesen kommen soll – das weiß niemand so genau.

Es gibt europaweit nur wenige Hochschulen, bei denen man die entsprechende, solide Ausbildung absolvieren kann – und die anderen Märkte sind noch mehr oder minder in der Ausbildung

Für uns kommen neue steuerliche Rahmenbedingungen in Deutschland dazu – besonders die neue Abgeltungssteuer. Schon deswegen sind natürlich Schiffsbeteiligungen und -Fonds ein attraktives Gebiet. Wer in den Angeboten – durchaus überschaubar wenige – etwas gräbt, der stößt schon bald auf die Besonderheiten dieses Gebiets.

Sie werden Kommanditist – und damit Unternehmer

In den meisten Fällen wird man direkt als Kommanditist ins Handelsregister eingetragen – was natürlich auch heißt, daß man noch genauer auf die Details des Unternehmens schauen sollte, als ohnehin schon. Und da entdeckt man dann Dinge, die selbst den eingefleischten Globalisierern hier die zeigen, was Globalisierung wirklich bedeutet.

Als Beispiel hier ein Fond von König&Cie, der Produktentanker-Fonds III. Wie von einem größeren Beteiligungsunternehmen nicht anders zu erwarten, ist hier die Qualität der Informationen wirklich gut. Schon zwei Tage nach der Anfrage ist ein Päckchen(!) mit Informations- und Werbematerialien im Haus. Das ist aber auch zu erwarten, wie dem Prospekt zu entnehmen ist: Das Emissionshaus erhält schon mal mehrere Millionen € für den Vertrieb.

Globalisierung spüren

Genauer hineingesehen gibt es eine grobe Geschichte und eine etwas detaillierte Beschreibung. Zunächst die grobe Geschichte:

Ein Anleger gibt einem Betreiber Geld, der transportiert Waren durch die Welt und zahlt dem Anleger einen fairen Anteil an den Gewinnen.

Und nun etwas detaillierter:

Zunächst einmal muß das Schiff gebaut werden. Natürlich nicht in Deutschland, das wäre zu teuer, sondern in China. Dort wird es zwar nicht entworfen und geplant, aber zusammengeschweißt. Denken wir aber nicht näher über die Bedingungen in chinesischen Werften nach (ein Thread zu solchen Themen). Die Schiffe sind robust geplant und Standardmodelle, da kann man nicht allzu viel falsch machen. Außerdem gibt es da noch ein Unternehmen in Zypern, das die Bauaufsicht hat.

Das Schiff wird vom Geld der Anleger gebaut, aber nur teilweise, nämlich zu etwas weniger als der Hälfte. Der Rest sind – tja – Kredite. Teilweise in €, teils in USD. Aber – wie wir erfahren, es ist ein Umtausch von großen Teilen in den japanischen Yen geplant.

Wir bemerken: Wir haben jetzt ein Schiff, es gehört uns fast zu Hälfe und steht jetzt in China, wo es soeben feierlich übergeben wurde.

Allerdings wurde es nicht uns übergeben – was sollten wir damit – sondern an eine Firma in Singapur, die aber eigentlich nur eine 100%ige Tochter eines schweizer Unternehmens ist. An die haben wir es nämlich verchartert. Also, eigentlich nicht wir, sondern das Unternehmen, das unser Komplementär ist, die sitzen in Hamburg. Damit die Sache für uns von Abgabenseite aus interessanter wird, ist aber zunächst noch eine andere Firma im Spiel. Diese Tochter der Muttergesellschaft der anderen Kommanditistengesellschaft der Komplementärin, für die wir das Kapital gestellt haben (Sie denken noch mit?), sorgt nämlich in ihrem Stammsitz auf den Marshall Islands dafür, daß das Schiff unter dieser Flagge fahren kann. Sobald die deutschen Behörden zugestimmt haben.

Wir bemerken: Wir haben jetzt ein chinesisches Schiff unter der Flagge der Marshall Islands, das uns zur Hälfte gehört, an eine Firma in Singapur verchartert – und zwar für die nächsten fünf Jahre.

Um überhaupt richtig in die Gänge zu kommen, brauchen wir z.B. noch eine Besatzung, und dafür (und für einiges andere) gibt es noch den Reeder. Dafür konnte zum Glück ein Unternehmen von den British Virgin Islands gewonnen werden, die extra dafür – zusammen mit der Muttergesellschaft der anderen Kommanditistengesellschaft… (sie erinnern sich) ein Unternehmen in Hamburg gegründet hat. Also, nicht extra für unser Schiff, sondern für alle Schiffe der Mutterge… Die haben die technische Bereederung allerdings extern Vergeben. Wir können übrigens über unsere Marshall Islands – Flagge froh sein, denn sonst müßten wir mehr EU-Personal einstellen, ähm, lassen lassen lassen.

Insgesamt schwirrt mir der Kopf, irgendwie steige ich noch nicht ganz durch. Das Angebot könnte wirklich gut sein, ich weiß es einfach nicht. Schauen Sie es Sich ruhig mal an und schreiben Sie mir, was Ihnen auffällt.

Investment macht Sinn – für Manche

Interessant ist natürlich die Besteuerung. Die Tonnagesteuer kann sich vorteilhaft auswirken. Risikos sind die Charterraten (die sind nämlich auch in den ersten fünf Jahren dynamisch), die Zinssätze und die Wechselkursschwankungen. Diese Risiken sollte man auf keinen Fall unterschätzen. Der Anbieter weißt auch vorbildlich darauf hin.

Und auch ansonsten gilt das übliche: Ihr Steuerberater ist Ihr Freund, gerade bei solchen Spezialitäten.

Bookmark it on : | | | | | | |